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Geertje-Froken Bolle: Liebe Schwestern und Brüder, "Schwerhörigenseelsorge in Berlin und ihre Zukunft" heißt das Thema meines heutigen Vortrags. Das Thema, um das ich mit diesem Titel gebeten worden bin. Aber: Hat die Evangelische Schwerhörigenseelsorge in Berlin überhaupt eine Zukunft?
Schwerhörigenseelsorge in Berlin hat keine Zukunft Einiges ist geschehen in den vergangenen Jahren - und besonders im letzten Jahr - dessen Folgen wir ab 1999 besonders hart spüren werden. Im Blick darauf kann ich nur sagen: Die Schwerhörigenseelsorge Berlin hat keine Zukunft. Ich will Ihnen das erläutern. Berlin war in den vergangenen Jahrzehnten relativ vernünftig ausgestattet, was die Personalsituation in der Schwerhörigenseelsorge angeht. Nicht viel, wenn man das Tätigkeitsfeld ansieht, aber durchaus gut bestückt, wenn man mit anderen Landeskirchen vergleicht. Wir hatten eine halbe Pfarrstelle, eine ganze Sozialarbeiterstelle und eine halbe Verwaltungsstelle. Als erstes wurde an der Verwaltungsstelle gekürzt. Aus 50 % wurden 1995 25 %, als Penny Weigelt diese Arbeit übernahm. Gleichzeitig wurde geplant, die Sozialarbeiterstelle (Stefan Kahlbow) auf 50 % zu setzen und im Anschluß daran, sie ganz wegfallen zu lassen. Und schließlich stand die halbe Pfarrstelle auf dem Spiel. Die Gelder unserer Landeskirche sind knapper als knapp, die drastischsten Kürzungen treffen die Spezialbereiche. Auf der Landessynode im November 1997 wurde aus den jahrelang gehegten Plänen Ernst: die landeskirchlichen Mittel für die Schwerhörigenseelsorge wurden ab 1999 auf 0 gesetzt (einschließlich sämtlicher Sachmittel). Man mache sich die Dramatik solcher Kirchenpolitik bewußt. "Evangelische Kirche schließt 170.000 behinderte Menschen von Verkündigung und Seelsorge aus". So haben wir im November letzten Jahres auf unseren Protestflugblättern getitelt. Und es läßt sich nicht anders beschreiben - es ist ein Unding, was hier passiert. Nun gehöre ich sowieso nicht zu den Menschen, die diese Politik unterstützen: flächendeckend Parochialgemeinden erhalten und Sonderseelsorgebereiche abschaffen. Bezogen auf die Schwerhörigenseelsorge heißt das aber auch noch: man kürzt in einem Bereich, der einen nennenswerten Teil der Kirche darstellt. Und: Man kürzt in einem Bereich, wo sich die Situation in den nächsten Jahren und Jahrzehnten drastisch verschärfen wird. Sämtliche Statistiken gehen davon aus, daß die Schwerhörigkeit enorm ansteigen wird. Die vielen Protestbriefe und der Kampf, den vor allem Frau Käthe Rathke in Zusammenarbeit mit uns geführt hat, haben immerhin dazu geführt: die Synode wurde sich dessen bewußt, daß eine Lösung für die Schwerhörigenseelsorge gefunden werden muß. Angedacht ist nun eine Finanzierung durch verschiedene Kirchenkreise - allerdings bezieht sich diese Idee einzig und allein auf die halbe Pfarrstelle. Sicher wird unsere Gemeinde und unser Kirchenkreis, die nunmehr seit 25 Jahren diese Arbeit unter ihrem Dach beherbergen, weiterhin unterstützen, wo sie irgend können. Eine Finanzierung der ganzen Sozialarbeiterstelle durch Gemeinde oder Kirchenkreis hat sich aber als aussichtslos erwiesen. Wie soll eine halbe Pfarrstelle die Schwerhörigenseelsorge in ganz Berlin abdecken? Verschärfend kommt noch hinzu, daß eigentlich Brandenburg dazugehören müßte. Berlin-Brandenburg ist ja nun mal eine Landeskirche. In Brandenburg war die Schwerhörigenarbeit bislang nicht von der Landeskirche, sondern vom Diakonischen Werk getragen. Dort ist ebenfalls gerade die Schwerhörigenarbeit gestrichen worden. Wir brauchen uns zwar nicht den Vorwurf zu machen, nichts getan zu haben. Wir haben gekämpft - aber sind leider an vielen Punkten gescheitert. Also: Schwerhörigenseelsorge in Berlin hat keine Zukunft. Damit könnte ich meinen Vortrag heute beenden.
Schwerhörigenseelsorge in Berlin hat Zukunft Aber halt. Erlauben Sie mir, hier als Theologin zu sprechen. Erlauben Sie mir, unser Thema mit der Bibel ins Gespräch zu bringen. Und erlauben Sie mir, von hier aus noch einmal neu zu antworten auf die Frage: Hat die Schwerhörigenseelsorge in Berlin eine Zukunft? Wie ist das mit der Zukunft in der Bibel? Zukunft, Erwartung, Hoffnung, Verheißung. Die Bibel ist voll davon. Erwartet, herbeigesehnt wird das Reich Gottes. Daß es wirklich wird, ist uns verheißen. Hier und jetzt. Und später in Gänze. Das Evangelium dieser Woche enthält den bekannten Vers: "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, dann wird euch alles andere zuteil." 'Und was hat das Reich Gottes mit der Schwerhörigenseelsorge in Berlin zu tun?' wird vielleicht der eine oder die andere fragen. Nun, ich hoffe, recht viel. Daß wir erwarten, daß Gottes Reich kommt - das heißt doch: Wir erwarten eine Zeit, in der alle Menschen in Würde leben können, in der alle Menschen zu ihrem Recht kommen. Eine Zeit, in der Miteinander gelingt. Wir erwarten eine Zeit, in der Menschen einander verstehen können. Wir erwarten eine Zeit, in der überall so gesprochen wird, daß schwerhörige und ertaubte Menschen es verstehen. Und diese Zeit liegt nicht in weiter Ferne. Voll Sehnsucht versuchen wir, alles dazuzutun, daß diese Zeit hier und heute beginnt. Und voll Vertrauen wissen wir: Solche Zukunft ist uns von der Bibel her verheißen. "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, dann wird euch alles andere zuteil." Und deshalb kann ich von hier aus klar und eindeutig auf unsere Frage antworten: Ja, die Schwerhörigenseelsorge in Berlin hat Zukunft!
Was wir aufgeben müssen ... Wie sieht nun diese Zukunft aus? Wir werden wohl so einiges aufgeben müssen. Es heißt vielleicht, daß wir den Glauben an eine Landeskirche, die ihre Gelder gerecht verteilt, aufgeben müssen. Es heißt vielleicht, daß wir eine Existenz in sicheren Stellen aufgeben müssen. Es heißt vielleicht, daß wir die Hoffnung aufgeben müssen, einen finanziell gut ausgestatteten Bereich zu haben.
Was wir nicht aufgeben dürfen ... Aber daneben steht dies: Schwerhörige und ertaubte Menschen sind genauso Teil unserer Kirche wie Guthörende. Eine Gemeinde, die schwerhörige Menschen ausschließt, ist keine Gemeinde. Eine Kirche, die schwerhörige Menschen ausschließt, ist keine Kirche. Uns ist gesagt, daß Miteinander gelingen kann, daß die Begegnung Verschiedener möglich ist. Nicht aufgeben dürfen wir unseren Kampf. Nicht aufgeben dürfen wir unsere Hoffnung. Liebe Schwestern und Brüder, ich begreife es geradezu als eine Herausforderung, in diesem Jahr - 1998 - über die Zukunft der Schwerhörigenseelsorge Berlin zu sprechen. Ich begreife es als eine Herausforderung, ein Trotzdem zu setzen gegen alle Resignation. Und so will ich Ihnen nun vorstellen, was wir derzeit tun und wie mein Konzept für die nächsten Jahre aussieht.
Was wir derzeit tun und wie mein Konzept für die nächsten Jahre aussieht ... I Gemeindeaufbau Schwerhörigengemeinde Zunächst ist es wichtig, im Blick zu haben, daß in unserer Arbeit Ost- und Westtradition einander begegnen. 1991 wurde die Arbeit aus Ostberlin an die Lukaskirche angegliedert. Die Stelle von Frau Schuster bei der Inneren Mission - Diakonisches Hilfswerk ist nach ihrem Ausscheiden nicht mehr besetzt worden. Hervorzuheben ist, daß die Struktur der Anbindung an eine Ortsgemeinde im jetzigen Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte eine besondere Form der Begegnung von Hörgeschädigten und Guthörenden ermöglicht. Die Tatsache, daß es bei uns Mitarbeitende gab und gibt, die sowohl in der Ortsgemeinde, der Dreifaltigkeits- St. Lukasgemeinde, als auch in der Schwerhörigenseelsorge beschäftigt waren bzw. sind - diese Tatsache hat das noch verstärkt. Hinzu kommt die zahlenmäßig kleine Ortsgemeinde. Wenn sich bei uns sonntags die Menschen zum Gottesdienst für Schwerhörige, Ertaubte und Guthörende treffen, sind die Schwerhörigen und Ertaubten in der Überzahl. Im Gemeindekirchenrat unserer Ortsgemeinde sind immer VertreterInnen der Schwerhörigen dabei. So kann es gelingen, daß im Leitungsgremium einer Ortsgemeinde Miteinander von Schwerhörigen und Guthörenden erprobt wird. Ich habe in meiner Arbeit Detlev Balzer und Sabine Elle im Gemeindekirchenrat erlebt - und bin sehr dankbar für diese "Schulung". So ist man dazu gezwungen, auf den Sitzungen selber auf einen Umgang miteinander zu achten, der es schwerhörigen Menschen ermöglicht, wirklich teilzunehmen. Eine wichtige Säule unserer Arbeit soll werden der TrägerInnenkreis Schwerhörigenarbeit. Ich hoffe, daß es gelingt, eine stabile Gruppe von ca. 8-10 Menschen zu gewinnen (hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeitende; Guthörende und Schwerhörige), die die Schwerhörigenarbeit kontinuierlich begleiten. Diese Gruppe soll sich monatlich einmal treffen, sich über die stattfindende Arbeit austauschen und mit mir gemeinsam das Konzept weiterentwickeln. Lebendig ist in Berlin die alte "Hephata-Tradition". Es gibt einen Kreis von ca. 30 Menschen, die regelmäßig unsere Gottesdienste mitfeiern und das Gruppenangebot wahrnehmen. Die Schwerhörigen-Gemeinde - so will ich sie nennen. Menschen, die sich im Kreise derer, die auch hörgeschädigt sind, wohlfühlen und die meist keinen Kontakt zu ihrer Ortsgemeinde haben. Ich halte es für notwendig und wichtig, die existierende Arbeit weiterzuführen. Die Menschen, die in der Lukaskirche ihren Ort gefunden haben, die die Erfahrung machen konnten: hier verstehe ich...., hier bin ich im Kreise von Menschen, denen es ähnlich geht, die sich hier Zuhause fühlen - für diese Menschen tragen wir Verantwortung. Sie sind heimisch geworden. Ich gehe außerdem davon aus, daß eine ganze Reihe von Menschen noch dankbar dazustoßen werden, so sie denn von uns hören. Der weitere Gemeindeaufbau der Schwerhörigengemeinde wird also auch in Zukunft ein wichtiger Pfeiler unserer Arbeit bleiben. Dazu gehören Gottesdienste und Gruppen, in denen in erster Linie stark schwerhörige und ertaubte Menschen, aber auch Guthörende zusammenkommen. Zu unseren Arbeitsbereichen zählen neben den Gottesdiensten: Seelsorge, Erwachsenenarbeit (Berufstätigenkreis, Rüstzeiten in Planung), Seniorenarbeit (Nachmittagstreff, Gesprächskreis, Hausbesuche, gemeinsame Reise), Jugendarbeit (KonfirmandInnenunterricht). Die besonderen Erfordernisse hörgeschädigtengerechter Gottesdienste und Gruppenarbeit sind Ihnen allen vertraut, und so will ich an dieser Stelle nur auf einige Besonderheiten unserer Arbeit hinweisen. Besonders erwähnen möchte ich den Berufstätigenkreis, der von Iris-Sieglinde Staneczek und mir gemeinsam geleitet wird. Besonders erwähnen aus zwei Gründen: Zum einen freue ich mich, daß es hier gelingt, daß die Arbeit von einem schwerhörigen Gemeindeglied geleitet wird. Ich halte es für ungeheuer wichtig, daß nicht ausschließlich Arbeit von Guthörenden für Schwerhörige getan wird. Das hätte den Charakter, daß hörgeschädigte Menschen hier betreut werden. Stattdessen sind wir aber vielmehr ein Ort, an dem wir miteinander Gemeinde gestalten wollen. Der zweite Grund, weshalb mir dieser Kreis so wichtig ist: Hier ist es gelungen, daß eine gute Tradition aus dem ehemaligen Ostbereich weitgehend in ihrer Form erhalten geblieben ist - und Menschen aus dem Westen dazugestoßen sind. Der Berufstätigenkreis existiert bereits seit 1965. Die Auseinandersetzung mit biblischen Texten stellt einen Schwerpunkt dieses Kreises dar. Stefan Kahlbow hat jahrelang eine umfassende Jugendarbeit mit schwerhörigen und guthörenden Jugendlichen gemacht. Einen Einblick in die Früchte dieser Jugendarbeit werden Sie morgen beim Berliner Abend bekommen. Unsere Gemeindemitarbeiterin Christel Gerhard organisiert und gestaltet jedes Jahr eine dreiwöchige Reise der schwerhörigen und ertaubten (und guthörenden) Senioren nach Bad Sachsa in den Harz. Frau Gerhard wird allerdings im Oktober aus der hauptamtlichen Arbeit ausscheiden, weil sie in den vorgezogenen Ruhestand geht. Ein ganz neues Projekt innerhalb der Schwerhörigenseelsorge Berlin ist in Planung: ein Projekt zur Geschichte der Schwerhörigenseelsorge an der Lukaskirche. Es soll den Gemeindeaufbau der Schwerhörigengemeinde stärken, inhaltlich in der Frage der Geschichte der Schwerhörigenseelsorge vorankommen und unsere Öffentlichkeitsarbeit unterstützen. Im Zentrum sollen Gesprächsgruppen stehen und eine Ausstellung zur Geschichte der Schwerhörigenarbeit. Den Ort, an dem sich die Gesprächsgruppen treffen und die Ausstellung entsteht, nennen wir "Erzählcafé". Ein Ort der Begegnung. Wer kann die Geschichte besser schreiben als die Menschen selbst, die sie erlebt haben. Wir planen deshalb im Erzählcafé Nachmittage, in denen Menschen eingeladen werden, etwas zu erzählen: persönliche Erfahrungen, Lebensgeschichten, Geschichte von Schwerhörigengruppen. Da wird sich einer erinnern an eine lustige Begebenheit, eine andere bringt vielleicht ein altes Foto mit. Es ist wichtig, daß wir unsere Geschichte dokumentieren, nicht verloren geben. Wir werden in der Bibel immer wieder dazu ermutigt, Aufbruchsgeschichten zu erinnern, Gottes Geschichte mit uns nicht zu vergessen. Das Erzählcafé soll einen festen Standort haben, aber auch als mobiles Erzählcafé Schwerhörige in ihren Wohnungen aufsuchen. Um das Erzählcafé herum soll dann nach und nach eine Ausstellung entstehen zur Geschichte der Schwerhörigenseelsorge. Und ein Ergebnis soll denn auch eine Festschrift zum 25-jährigen Bestehen der Schwerhörigenseelsorge bei der Lukaskirchc sein.
II Integration Schwerhöriger in Ortsgemeinden Der zweite wichtige Bereich unserer Arbeit ist der Bereich Integration. Wir wollen Unterstützung geben zur Integration schwerhöriger Menschen in ihre Ortsgemeinden. Dazu gehört, daß wir allen Gemeinden das Angebot machen, zu unterstützen und zu beraten. Nun besteht hier eine gewisse Spannung. Zum einen gibt es die Erfahrung: 'Da kommen ja gar keine Anfragen aus Gemeinden.' Mein Vorgänger Pfarrer Otto Leiser ist in den Jahren seiner Tätigkeit von einer einzigen Gemeinde um Beratung gebeten worden. Und gleichzeitig wissen wir alle: Schwerhörige Menschen kommen in ihren Ortsgemeinden in der Regel zu kurz. Das heißt für uns: wir müssen das Bewußtsein schärfen, damit Ortsgemeinden für diese Not sensibel werden. Und gleichzeitig: wir müssen Strukturen schaffen, die eine flächendeckende Verbesserung der Gemeindesituation für schwerhörige Menschen möglich machen. Unabdingbar ist deshalb zunächst, daß wir in verschiedenen Bereichen ein Fortbildungsangebot machen: im Predigerseminar und in anderen kirchlichen Ausbildungseinrichtungen, auf Pfarrkonventen und Konventen anderer kirchlicher Mitarbeitender. Angeregt durch das bayrische Modell von Pfarrer Volker Schmeling versuche ich, in den einzelnen Kirchenkreisen Beauftragte zu finden, die sich für ihren Kirchenkreis zuständig machen und dafür geschult werden. Dazu versuche ich, in den Kirchenkreisen auf den Pfarrkonventen und - wo es das gibt - in den Konventen der Mitarbeitenden in der Altenarbeit - etwas zur Situation schwerhöriger Menschen und zur Notwendigkeit hörgeschädigtengerechter Gottesdienste und Gemeindearbeit zu sagen. Ich hoffe, daß es gelingt, Menschen für diese Aufgabe zu gewinnen. Für diese Menschen will ich im kommenden Jahr ein einwöchiges Pastoralkolleg zur Fortbildung anbieten.
III Beratung in kirchlichen Einrichtungen Neben diesen Fortbildungsangeboten, die auf die Integration schwerhöriger Menschen in Ortsgemeinden zielen, macht es Sinn, kirchliche Einrichtungen zu beraten und dabei zur Qualitätssicherung beizutragen. Ich plane deshalb solche Fortbildungseinheiten auch in Alten- und Pflegeheimen des Diakonischen Werkes, in Diakoniestationen und Altenpflegeschulen. (Der gesamte Bereich Fortbildung befindet sich derzeit noch im Aufbau. Ich beginne mit diesen Angeboten im Herbst diesen Jahres und kann daher noch nichts darüber berichten, inwieweit es gerne in Anspruch genommen wird.)
IV Fortführung und Aufbau der Kontakte zu anderen Organisationen und Institutionen, die mit Schwerhörigenarbeit befaßt sind Ganz sicher wird auch weiterhin zu unserer Arbeit der Kontakt zu anderen Organisationen und Institutionen gehören, die mit Schwerhörigenarbeit befaßt sind. Allen voran der Schwerhörigenverein Berlin mit seinen Beratungszentren, das Berufsbildungswerk, die beiden Schwerhörigenschulen, HNO-ÄrztInnen und HörgeräteakustikerInnen. Ich freue mich in diesem Zusammenhang, daß ich seit Herbst 1997 in der 1. Schule für Schwerhörige in Friedrichshain (Margarethe von Witzleben-Schule) Religionsunterricht anbieten kann und so ein Brückenschlag von der Gemeinde zur Schule beginnt.
Kontakte zur Gehörlosenseelsorge - punktuell gemeinsame Projekte Seit 1994 ist die Gehörlosenseelsorge Berlin auch bei uns in der Bernburger Straße untergebracht. Das erleichtert mögliche Zusammenarbeit. Gleichzeitig wissen wir ja alle, wie wichtig eine Trennung dieser Arbeitsbereiche ist. Menschen, die sich in Gebärdensprache verständigen und Menschen, die in erster Linie Lautsprache zu hören / abzulesen versuchen und gar nicht gebärden können, haben einfach andere Bedürfnisse. Da sowohl die Gehörlosenseelsorge als auch die Schwerhörigenseelsorge darüber einig sind, gibt es weniger Konflikte und vielmehr produktiven Austausch. Im Oktober zum Beispiel planen wir einmal - als große Ausnahme und als Begegnung unserer Arbeitsbereiche - einen gemeinsamen Gottesdienst.
V Öffentlichkeitsarbeit Für unabdingbar halte ich eine gute Öffentlichkeitsarbeit. Wir hoffen, daß unsere geplante Ausstellung und das Erzählcafé dazu beitragen werden. Neben unseren Faltblättern ist die Schwerhörigenseelsorge regelmäßig im regionalen Gemeindebrief vertreten. Ein zusätzlicher 'Rundbrief Schwerhörigenseelsorge' für alle Interessierten ist geplant. Es ist uns wichtig, als Kirche mitzuwirken, wo in der Öffentlichkeit auf die Belange hörgeschädigter Menschen hingewiesen wird. So haben wir z. B. selbstverständlich mitgewirkt an den Aktionen zum 2. Mai diesen Jahres (Tag der Schwerhörigen und Ertaubten im Rahmen der Aktion Grundgesetz). Mindestens ebenso wichtig ist es, einfach präsent zu sein, aufzuschreien durch LeserInnenbriefe oder persönliche Briefe oder Redebeiträge oder, oder... wenn jemand die Bedürfnisse schwerhöriger Menschen vergißt. Z. B. auch dafür zu sorgen, daß die Schwerhörigenarbeit regelmäßig innerhalb der kirchlichen Presse Beachtung findet. Sie sehen, so einiges ist auf dem Weg. Hoffen Sie mit uns, daß vieles davon gelingt. Ein Wort schließlich zu dem, was mir zunehmend Sorgen macht: Wir sind in unserer Landeskirche Großstadt und Flächenkirche in einem. Die Arbeit der Schwerhörigenseelsorge bei uns bezog sich bislang auf Berlin. Nach dem Wegfall der Finanzen für die kirchliche Schwerhörigenarbeit in Brandenburg stellt sich die Frage, was dort aus der Arbeit wird. Wird es möglich sein, vielleicht mit Unterstützung von Berlin aus, hier Strukturen aufzubauen, damit zumindest ein Teil der so wichtigen Arbeit dort erhalten bleiben kann?
25 Jahre Schwerhörigenseelsorge Berlin am Ort Lukaskirche Zum Schluß sei doch noch erwähnt, daß wir demnächst unser 25jähriges Jubiläum Schwerhörigenseelsorge am Ort Lukaskirche begehen werden. Und - wie Sie alle wissen - : wir gehen munter zu auf's nächste Jubiläum. Vielleicht darf ich einige von Ihnen im Jahre 2001 zur 100-Jahrfeier Schwerhörigenarbeit in Berlin hier wieder begrüßen. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. |