Kristin Faehn:
Norwegische Visionen pastoraler Hilfe für Schwerhörigen

Wir haben gerade von meinen beiden Mitarbeitern gehört, wie sich die Arbeit in einem unserer Bistümer und in Norwegen generell entwickelt hat. Ich selbst möchte mich im folgenden darauf konzentrieren, was auf zentralem Niveau in der norwegischen Kirche geschehen ist, und welche Visionen und Zukunftsstrategien wir haben.

Kurz zum besseren Verständnis unserer Kirchenstruktur:

Die norwegische Kirche besteht aus ca. 1350 Gemeinden, die regional in 11 kirchliche Einheiten, Bistümer, eingeteilt sind. In jedem Bistum gibt es einen Bischof und einen gewählten Rat für das Bistum, „bispedømmerådet".

Oberstes Gremium ist die Kirchenkonferenz, „Kirkemøtet", die einmal jährlich eine Woche tagt. Es ist im wesentlichen eine gemeinsame Tagung aller regionalen Bistümer.

Diese Kirchenkonferenz hat ebenfalls einen gewählten Rat, „Kirkerådet", der dreimal im Jahr tagt und der ein zentrales Sekretariat in Oslo hat. Hier arbeiten Fachkonsulenten für die verschiedenen Fachbereiche der kirchlichen Arbeit, unter anderem Diakonie.

 

Kirchlicher Alltag und Wirklichkeit

Zuerst einige Worte zu meiner Stellung und Position. Mein Name ist Kristin Faehn und ich arbeite in der Zentraladministration der norwegischen Kirche, „Kirkerådet", wörtlich übersetzt „Kirchenrat", mit dem Arbeitsfeld Diakonie. Dieses Feld beinhaltet natürlich wesentlich mehr als Schwerhörigkeit.

Jedes Jahr bestimmt die einwöchige „Kirkemøte" die wesentlichen Linien der Arbeit der Kirche. Aber wir haben als Fachkonsulenten auch eine gewisse Selbstständigkeit zu prioritieren, und können so unser Arbeitsfeld mitbeeinflussen.

Der Kirchenrat kann die regionalen Bistümer nicht instruieren, sondern nur motivieren zu Engagement in wichtigen Sachen. Dies gilt mit Ausnahme von Gesetzen und Vorschriften, die von der Kirchenkonferenz kommen.

Dies als wichtige Hintergrundinformation für Möglichkeiten und Begrenzungen in unserer Kirche. Zusätzlich muß bemerkt werden, daß die norwegische Kirche, trotz dem norwegischen Erdöl, wesentlich weniger ökonomische Mittel als unsere nordischen Schwesterkirchen hat.

 

Auf nationalem Niveau

Zurück zu Bistum Tunsbergs. Auch mein Engagement startete hier, nachdem einer der Angestellten in Tunsberg, Stein Unneberg, mit mir Kontakt aufnahm, um diese Arbeit auf ein nationales Niveau zu bringen. Konkret handelte es sich 1992 darum, die Qualität von Höranlagen mit Ringschleifen zu sichern. Wir etablierten eine zentrale Projektgruppe, die 1992 - 93 unbürokratisch und rasch handelte. Unser Ziel war es, Anforderungen an Höranlagen mir Ringschleifen zu etablieren, die mit den Qualitätsnormen der NHH (Dem nordischen Rat für Handicapfragen) übereinstimmten.

Unsere Resultate waren unter anderem:

*Der Fachkonsulent für Kirchen im zuständigen Ministerium gab eine Orientierungsschrift heraus, die über Höranlagen mit Ringschleifen und die notwendigen qualitativen Anforderungen informierte. Dies wurde an alle Gemeinden und Pfarrer, Stadt- und Gemeindedirektoren verschickt, (I/1993) auch von Jo Bolstad beschrieben.

*Der Rat für technische Maßnahmen beschrieb die nordischen Anforderungen in einem eigenen Themaheft 1993.

Wir bemühten uns Produzenten, Importeure und Installateure zu informieren. Unser Wunsch war auch, ein gutes System für Kontrollmessung und Service zu etablieren, mit Ausgangspunkt in unseren öffentlichen Hilfsmittelzentralen.

 

Zentrale Koordination der Arbeit für Schwerhörige

Im Herbst 1996 wurde eine nationale Gruppe für Behinderte gegründet. Etwas ähnliches hatte es schon früher gegeben, aber da waren die Schwerhörigen nicht vertreten.

Ein wichtiges Anliegen war, die Herausforderungen durch die nordischen und internationalen Konferenzen für Schwerhörige weiter zu verfolgen. Gleichzeitig wollte man diese Arbeit aber auch in einer weiteren Perspektive sehen, gemeinsam mit Menschen mit anderen Funktionshemmungen. Die Gruppe wollte sowohl mit Fragen der praktischen Hilfe, als auch mit Einstellungsfragen arbeiten.

Die Gruppe hatte Representanten von Schwerhörigen, Blinden und anderen Behinderten. Die Gruppe hat das Heft „Macht hoch die Tür, das Tor macht weit" für die lokalen Kirchengemeinden ausgearbeitet (siehe Plakat). Dieses Heft wird als Basisdokument für kirchliche Hilfseinrichtungen für alle Behinderten angesehen und wurde an alle Gemeinden in Norwegen verschickt.

Innerhalb dieser weiten Perspektiven, haben wir einige spezielle Wünsche und eine konkrete Strategie für die Schwerhörigen. Diese Strategie wurde als Resultat der norwegischen Delegation auf dem Treffen in der IVSS in Løgumkloster 1996 niedergeschrieben.

 

Der Rat der norwegischen Kirche:

*Ausarbeitung und Distribution von geeignetem Material (unter anderem Revision des Heftes „Kannst du hören, was ich sage?" 1996)

*Kontakt zu den kirchlichen Ausbildungsstätten

*Engagement für die Etablierung einer eigenen Konsulentenstelle im Sekretariat

*Arrangieren von Konferenzen

 

Die Räte der Bistümer:

*müssen die Richtlinien für und Anforderungen an Höranlagen mit Ringschleifen kennen und wissen wer Kontrollmessungen durchführen kann

*müssen die Kirchengemeinderäte auf diese Richtlinien aufmerksam machen

*müssen beurteilen, ob auf regionalem Niveau ein eigener Ausschuß gegründet werden soll, der diese Sachen bearbeitet

*müssen Kontaktpersonen für geeignete Distrikte finden

*Mitarbeit mit Nationaler Verband für Schwerhörige, regionalen Elternvereinigungen für Schwerhörige, „Døveforbundet" (Getextete Gottesdienste), u.s.w.

 

Konferenz für Kontaktpersonen im Herbst 1997

Im September 1997 wurde eine Konferenz für Kontaktpersonen für 9 der 11 Bistümer gehalten. Das Ziel der Konferenz war es, den Kontaktpersonen Inspiration und Wissen zu vermitteln, damit sie die Anliegen der Schwerhörigen in den Gemeinden und auf regionalem Niveau vertreten können.

Am Ende dieser Konferenz wurde auf eine Reihe von konkreten Herausforderungen und Vorschlägen für Maßnahmen, sowohl auf regionalem, als auch auf nationalem Niveau der Kirche hingewiesen.

 

Wie geht es weiter?

Unsere Visionen:

Alle, die es wünschen, sollen das Evangelium von Jesus Christus hören können.

Jeder, der es wünscht, soll an kirchlichen Aktivitäten und Aufgaben teilnehmen können, unabhängig von Behinderung und Schwerhörigkeit.

In unserer Zeit macht man so große und gesegnete Fortschritte in der Technik, daß diese Wünsche möglich sein müßten. Aber Einstellungen und Ökonomie sind oft begrenzende oder behindernde Faktoren.

Unsere Strategie muß deshalb sein:

1) Verständnis zu schaffen

-durch Information in allen zugänglichen Kanälen

-durch Hilfsmaterial

-durch die kirchlichen Ausbildungsstätten

-indem wir als gute Beispiele vorangehen

2) Auf dieser Grundlage die nötigen ökonomischen Mittel für Anschaffung und Verbesserung der Hilfseinrichtungen zu beschaffen

3) Eigene Angestellte/Personen zu haben, mit besonderer Verantwortung

-einen zentralen Koordinator

-Die Diakoniekonsulenten auf regionalem Niveau

-Küster, die die Verantwortung für die technischen Hilfsmittel haben

-einen Freiwilligen oder Angestellten in den Gemeinden

Falls es nicht möglich sein sollte, eigene Stellungen für dieses Feld ausschreiben zu können, ist es von größter Wichtigkeit, daß die existierenden Stellungen der Diakonie dieses als wichtiges und prioritäres Arbeitsfeld ansehen. So oder so ist es in der Zukunft wichtig, daß die Einrichtung von Hilfen für Schwerhörige nicht als eine Spezialaufgabe angesehen wird, sondern das man dies als Selbstverständlichkeit ansieht.

Übersetzung: Hans-Jürgen Schorre